Ruß nach einem Brand entfernen: So gehen Sie richtig vor
Ein Brand dauert oft nur Minuten. Der Ruß, den er hinterlässt, beschäftigt Sie dagegen wochenlang.
Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Ruß sicher entfernen, welche Rolle Ihre Haushaltsversicherung spielt und warum der erste Griff zum Kübel oft der falsche ist.
Sie erfahren auch, welche Arbeiten Sie gut selbst schaffen und wann ein Reinigungspartner die bessere Wahl ist.
Es ist der dritte Advent. Die Kerzen am Kranz brennen, im Vorzimmer läutet das Telefon.
Als Sie zurückkommen, steht das Tannengrün in Flammen. Sie ersticken das Feuer mit einer Decke, die Feuerwehr kommt vorsorglich.
Am nächsten Tag zeigt sich das Ausmaß. Über dem Tisch zieht ein schwarzer Schatten bis zur Decke, und auch auf den Kästen im Nebenzimmer liegt ein feiner Film.
Ruß verteilt sich mit dem Rauch durch die ganze Wohnung. Deshalb betrifft die Reinigung oft mehr als den Raum, in dem es gebrannt hat.
Was im Ruß steckt
Ruß besteht aus winzigen Kohlenstoffteilchen, die bei unvollständiger Verbrennung entstehen. An ihnen haften je nach Brandgut weitere Stoffe.
Bei Holz, Papier und Kerzenwachs bleibt die Belastung meist gering. Verbrennen Kunststoffe, Kabel oder Schaumstoff, können PAK und säurebildende Chloride im Ruß enthalten sein.
Säurehaltiger Ruß greift mit der Zeit Metalle, Armaturen und Elektronik an. Haben Kunststoffe gebrannt, lassen Sie die Räume vor der Reinigung von einer Fachfirma prüfen.
Erst melden, dann putzen
Bei Flammen oder starkem Rauch alarmieren Sie die Feuerwehr unter 122. Danach rufen Sie Ihre Versicherung an und halten jeden Raum mit Fotos fest, bevor Sie etwas verändern.
Heben Sie beschädigte Gegenstände auf, bis die Versicherung entschieden hat. Wohnen Sie zur Miete oder im Wohnungseigentum, verständigen Sie zusätzlich die Hausverwaltung.
Welche Versicherung zuständig ist
- Haushaltsversicherung: Sie deckt den Hausrat, also Möbel, Kleidung, Geräte und Vorräte.
- Eigenheim- oder Gebäudeversicherung: Sie betrifft Mauern, Decken, Böden und fix verbaute Teile. Bei Mietwohnungen schließt sie der Eigentümer ab.
Was im Einzelfall gezahlt wird, regelt Ihre Polizze. Ein Brand durch Unachtsamkeit ist oft nur gedeckt, wenn grobe Fahrlässigkeit mitversichert ist.
Gut zu wissen: Für die Arbeit in verrußten Räumen brauchen Sie eine FFP2-Maske, Handschuhe und eine Schutzbrille. Lassen Sie Kinder und Haustiere so lange bei Verwandten oder Nachbarn.
Ruß von Mauern und Decken entfernen lassen
Schildern Sie kurz den Schaden. Sie bekommen rasch eine Rückmeldung.
Der Fingertest: welcher Ruß vor Ihnen liegt
Fahren Sie mit dem Handschuh über eine verrußte Stelle. Pudriger, staubiger Belag deutet auf trockenen Ruß hin.
Ein klebriger, glänzender Film ist Schmierruß. Er stammt oft von brennendem Fett, Wachs oder Kunststoff.
Trockenen Ruß bekommen Sie mit etwas Geduld selbst weg. Schmierruß bindet Schmutz wie Klebstoff und verlangt spezielle Reiniger.
Schritt für Schritt: von der Decke bis zum Boden
Wasser ist bei Ruß nicht der erste, sondern der letzte Schritt. Wer gleich nass wischt, reibt die Teilchen in jede Pore.
- Querlüften: Fenster auf beiden Seiten der Wohnung öffnen.
- Saugen mit Filter: Ein Sauger mit Feinstaub- oder HEPA-Filter holt losen Ruß von Flächen und Polstern.
- Rußschwamm: Den trockenen Schwamm in Bahnen auf die Fläche drücken und abziehen, nicht reiben.
- Nassreinigung: Danach mit mildem Reiniger und laufend frischem Wasser nachwischen.
Beginnen Sie an der Decke und arbeiten Sie sich über Wände und Kästen bis zum Boden vor. So fällt gelöster Ruß nur auf Flächen, die ohnehin noch an der Reihe sind.
Mauern, Holz, Vorhänge und Geräte
Mauern und Decken: Abwaschbare Farbe lässt sich mit dem Rußschwamm oft retten. Saugfähiger Putz oder Raufaser behält einen Grauschleier, dann hilft ein Anstrich mit Isoliergrund.
Kästen und Möbel: Lackierte Fronten reinigen Sie wie Wände. Unbehandeltes Holz nimmt Ruß und Geruch tief auf und braucht eine Spezialbehandlung.
Vorhänge und Kleidung: Bringen Sie Textilien in eine Putzerei, die sich mit Brandgeruch auskennt. Im Haushalt gewaschen, riechen sie oft weiter nach Rauch.
Elektrogeräte: Verrußte Geräte bleiben ausgeschaltet, bis eine Elektrofachkraft sie geprüft hat. Ruß kann Strom leiten und Platinen angreifen.
Essig, Natron, Spülmittel: Vorsicht mit Hausmitteln
Im Internet kursieren viele Tipps mit Hausmitteln. Gegen Ruß taugen sie nur bedingt.
Spülmittelwasser verwandelt Schmierruß in graue Schlieren. Essig kann Marmor, Kalkstein und empfindliche Lacke angreifen.
Nutzen Sie Hausmittel höchstens zum Nachwischen nach der Trockenreinigung und immer erst an einer verdeckten Stelle.
Wie Sie den Brandgeruch loswerden
Ruß sieht man, Brandgeruch nicht. Trotzdem steckt er in Polstern, Teppichen, Holz und Mauerwerk.
Lüften Sie mehrmals täglich stoßweise und bringen Sie alle verrußten Textilien aus der Wohnung. Raumdüfte überdecken den Geruch, lösen ihn aber nicht.
Bleibt der Geruch, kommt eine Geruchsneutralisation infrage, zum Beispiel mit Ozon. Das erledigen Fachbetriebe, denn die Räume müssen dabei leer sein.
Wie sich Rauch aus Wänden entfernen lässt, lesen Sie auch im Ratgeber Raucherwohnung: Rauchgeruch aus Wänden entfernen.
Löschwasser nicht unterschätzen
Hat die Feuerwehr mit Wasser gelöscht, ist die Feuchtigkeit oft in Boden und Mauern gezogen. Unbehandelt entsteht dort rasch Schimmel.
Wischen Sie Wasser sofort auf und rücken Sie Möbel von feuchten Wänden ab. Ob eine technische Trocknung nötig ist, zeigt eine Feuchtemessung.
Mehr dazu steht im Ratgeber Schadensbegrenzung bei Wasserschäden im Haus.
Brandreinigung in der Wohnung
Großer Brandschaden?
Ein Reinigungspartner kommt zur kostenlosen Besichtigung. Danach erhalten Sie einen Festpreis.
Selbst reinigen oder Hilfe holen?
Ein kleiner Kerzenbrand mit trockenem Ruß in einem Zimmer ist gut selbst zu schaffen. Bei Schmierruß, mehreren Räumen oder verbranntem Kunststoff kostet es Sie dagegen viel Zeit und Nerven.
Ein Reinigungspartner aus Ihrer Nähe entfernt Ruß von Mauern, Decken und Möbeln mit Rußschwämmen, Filtersaugern und abgestimmten Reinigern. Alle Infos finden Sie auf der Seite Brandreinigung.
Vorhänge und Kleidung kommen in eine spezialisierte Putzerei. Sanierung wie neuer Verputz, Böden oder Elektrik ist Sache von Handwerksbetrieben.
Abrechnung und Versicherung
Kleinere Aufträge rechnen wir nach Stunden ab, Buchungen ab 2 Stunden. Ist der Aufwand größer, kommt ein Reinigungspartner vorab zu einer kostenlosen Besichtigung. Anschließend erhalten Sie einen Festpreis.
Sie bekommen die Rechnung und reichen sie bei Ihrer Versicherung ein. Hat die Versicherung die Kosten schon zugesagt, schicken Sie die Bestätigung gleich mit.
Auf Ihre Anfrage antworten wir rasch, einen Termin gibt es meist in 2 bis 5 Tagen. Für Schäden ist der Reinigungspartner versichert.
Welche Schritte direkt nach dem Feuer wichtig sind, fasst der Ratgeber Reinigung nach Brandschaden: 12 Tipps für den Notfall zusammen. Wie Reinigung und Handwerk zusammenspielen, zeigt Brandschadensanierung im Einsatz.
Fazit: trocken beginnen, dann nass
Ruß lässt sich entfernen, wenn Sie die Reihenfolge einhalten und die Versicherung früh einbinden. Schützen Sie Atemwege und Haut, solange Sie in verrußten Räumen arbeiten.
Schmierruß, Kunststoffbrand und große Flächen übergeben Sie besser an einen Reinigungspartner.
Der Adventkranz ist ersetzt, die Decke wieder weiß. Und beim nächsten Telefonläuten bleibt die Kerze nicht mehr allein.
