Messie-Wohnung: Wie reinigt man sie richtig und mit Respekt?

Titelbild: Geräumtes, helles Zimmer nach der Reinigung einer Messie-Wohnung

Eine Messie-Wohnung zu reinigen ist mehr als ein großer Hausputz. Bevor überhaupt gewischt werden kann, muss Platz geschaffen werden, und das berührt einen Menschen und sein Leben.

Dieser Ratgeber zeigt, in welcher Reihenfolge eine Messie-Wohnung geräumt und gereinigt wird und worauf es bei Schutz und Hygiene ankommt. Außerdem erfahren Sie, was in Österreich bei Mietwohnungen zu beachten ist.

Ein Anruf an einem Dienstagabend in Graz. Die Hausverwaltung meldet sich bei Markus: Aus der Wohnung seiner Tante kommt ein Geruch ins Stiegenhaus, Nachbarn haben sich beschwert.

Am Wochenende sperrt er auf. Zeitungsstapel bis zur Hüfte, ein schmaler Gang ins Wohnzimmer, in der Küche stehen seit Wochen Teller mit Essensresten. „Wo soll man hier bloß anfangen?“

Seine Tante sitzt am Küchentisch und schämt sich. Für sie sind die Stapel keine Ansammlung von Mist, sondern Erinnerungen, Pläne und Sicherheit.

Warum eine Messie-Wohnung mehr braucht als Aufräumen

In einer zugestellten Wohnung kommt man an Böden, Wände und Ecken nicht mehr heran. Wo Lebensmittelreste liegen bleiben, entstehen Schimmel, Gerüche und ein Nährboden für Ungeziefer.

Das betrifft die Gesundheit der Bewohner, aber auch das Gebäude. Feuchtigkeit hinter Stapeln greift Wände an, Fäulnis setzt sich in Böden fest. In einem Mehrparteienhaus spüren auch die Nachbarn die Folgen.

Deshalb reicht es nicht, Sackerl hinauszutragen. Erst wenn geräumt ist, kann die eigentliche Reinigung beginnen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Lebt die betroffene Person noch in der Wohnung, hängt alles von ihrer Bereitschaft ab. Eine Räumung gegen den Willen des Bewohners hilft selten lange. Ohne Begleitung füllt sich die Wohnung oft wieder.

Hilfreich ist es, mit einem einzelnen Raum zu beginnen, etwa der Küche. Ein sichtbarer Erfolg macht Mut für den nächsten Schritt. Entscheidungen über persönliche Dinge sollte die betroffene Person selbst treffen dürfen.

Ein guter erster Schritt ist ein Gespräch ohne Vorwürfe. Unterstützung bieten Hausärztin oder Hausarzt und psychosoziale Beratungsstellen in den Bundesländern. Mehr dazu, wo Unordnung aufhört und das Messie-Syndrom beginnt, lesen Sie im Beitrag Stark verschmutzte Wohnung oder schon Messie?

Anders ist es nach einem Auszug, einem Umzug ins Pflegeheim oder einem Todesfall. Dann muss die Wohnung geräumt und gereinigt werden, bevor sie zurückgegeben, neu vermietet oder verkauft wird.

So läuft die Reinigung einer Messie-Wohnung ab

Diskrete Hilfe bei einer Messie-Wohnung

Ohne Vorwürfe, mit kostenloser Besichtigung

Erst räumen, dann reinigen: der Ablauf

Eine Messie-Wohnung wird in Etappen bearbeitet. Jeder Schritt baut auf dem vorigen auf, deshalb lohnt es sich, die Reihenfolge einzuhalten.

  1. Sichten: Dokumente, Fotos, Wertsachen und Medikamente heraussuchen und sicher verwahren.
  2. Räumen: Mist, Verdorbenes und Unbrauchbares hinausbringen, Raum für Raum.
  3. Grobreinigung: Staub und losen Schmutz entfernen, Lebensmittelreste beseitigen.
  4. Intensivreinigung: Böden, Wände, Türen, Fenster, Küche und Bad bis in die Ecken.
  5. Desinfektion der Stellen, an denen sich Schimmel, Fäulnis oder Ausscheidungen befanden.
  6. Lüften und Kontrolle: Gerüche prüfen, verbliebene Mängel festhalten.

Nicht jedes Möbelstück muss weg, nur weil es in einer Messie-Wohnung stand. Feste Möbel lassen sich oft reinigen. Stark durchfeuchtete Polstermöbel sind dagegen ein Fall für die Entsorgung.

Küche und Bad zuerst

Nach dem Räumen lohnt es sich, mit Küche und Bad zu beginnen. Dort sitzen Keime, Fett und Feuchtigkeit am dichtesten. Sind diese Räume wieder benutzbar, entspannt sich die Lage für alle Beteiligten spürbar.

Der Kühlschrank wird komplett geleert und ausgewaschen. WC, Dusche und Abwasch brauchen Zeit, weil Kalk und Ablagerungen in Schichten gewachsen sind. Erst danach folgen Wohnräume, Vorzimmer und Abstellraum.

Wenn der Geruch bleibt

Gerüche sitzen nach Jahren oft in Wänden, Decken und Türstöcken. Abwaschen und anhaltendes Lüften bringen viel, eine Garantie auf völlige Geruchsfreiheit gibt es aber nicht. Hält sich der Geruch hartnäckig, hilft danach oft ein neuer Anstrich durch einen Malerbetrieb.

Wohin mit dem Entrümpelten?

Bei einer Messie-Wohnung fällt viel an. In Österreich nehmen Mistplatz und Altstoffsammelzentrum getrennte Abfälle aus Haushalten an, die Regeln legt die jeweilige Gemeinde fest.

  • Restmüll und Verdorbenes: gut verschlossen in robuste Säcke.
  • Papier, Glas, Metall: getrennt zum Altstoffsammelzentrum.
  • Sperrige Möbel: als Sperrmüll, je nach Gemeinde mit Abholung oder Anlieferung.
  • Problemstoffe wie Farben, Batterien oder Medikamente: gesondert abgeben.

Für große Mengen ist ein Container vor dem Haus sinnvoll. Steht er auf öffentlichem Grund, ist meist eine Genehmigung der Gemeinde oder des Magistrats nötig.

Schutz und Hygiene beim Reinigen

Wer selbst Hand anlegt, sollte sich schützen. Schimmelsporen, Staub und Keime gelangen beim Räumen in die Luft.

  • Feste Handschuhe, langärmelige Kleidung und geschlossene Schuhe tragen.
  • Eine FFP2-Maske schützt vor Staub und Sporen.
  • Fenster öffnen und während der Arbeit laufend lüften.
  • Kleidung nach dem Einsatz gleich ausziehen und getrennt waschen.

Welche Reinigungsmittel braucht es?

Für eine Messie-Wohnung reicht kein einzelner Allzweckreiniger. Jede Verschmutzung verlangt ein passendes Mittel, und manche Mittel vertragen sich nicht miteinander.

  • Fettlöser für Küche, Herd und klebrige Böden.
  • Kalkreiniger für Bad, WC und Armaturen, aber nicht auf Naturstein.
  • Desinfektionsmittel für Stellen mit Schimmel, Fäulnis oder Ausscheidungen, nach Anleitung dosiert.
  • Neutralreiniger für Holzböden, Türen und Möbel.

Dazu kommen robuste Säcke, Schaufel, Besen, Kübel und reichlich Tücher. Chlor und Säure nie mischen, und bei der Arbeit immer lüften.

Sind Mäuse, Ratten oder Schaben zu sehen, sollte zuerst ein Schädlingsbekämpfer die Lage beurteilen. Die Reinigung wird mit der Bekämpfung abgestimmt, damit der Befall nicht gleich wiederkommt.

Mietwohnung: Hausverwaltung und Kaution

Ist die Wohnung gemietet, sollte die Hausverwaltung früh informiert werden. Ein offenes Gespräch wirkt oft besser als Schweigen, gerade wenn sich Nachbarn schon beschwert haben.

Je nach Mietverhältnis, etwa nach dem Mietrechtsgesetz, kann ein erheblich nachteiliger Gebrauch der Wohnung ein Kündigungsgrund sein. Eine rasche Räumung und Reinigung kann helfen, die Lage zu entschärfen.

Beim Auszug wird die Wohnung mit dem Zustand bei Einzug verglichen. Schäden über die normale Abnützung hinaus können von der Kaution abgezogen werden.

Reinigungspartner im Einsatz

Reinigungspartner räumt und reinigt eine stark verschmutzte Wohnung

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Wann sich Hilfe von außen lohnt

Angehörige stoßen beim Räumen rasch an ihre Grenzen, körperlich und emotional. Über jedes Stück zu verhandeln, kostet Kraft und Beziehung. Außenstehende arbeiten sachlich und ohne gemeinsame Vorgeschichte.

Mr. Cleaner vermittelt lokale Reinigungspartner, die räumen, entsorgen und reinigen. Bei einer Messie-Wohnung kommt immer zuerst ein Partner zur kostenlosen Besichtigung, danach erhalten Sie einen festen Preis inklusive Abtransport und Entsorgung. Um Container und Absperrung kümmert sich Mr. Cleaner, möglichst diskret.

Verwertbares wird beim Räumen getrennt. Was die Familie behalten möchte, legen Sie vorher fest oder markieren es gut sichtbar. So landet kein Fotoalbum versehentlich im Container.

Für Betroffene zählt, dass nicht das ganze Haus davon erfährt. Deshalb wird möglichst diskret und so ruhig wie möglich gearbeitet. Die betroffene Person kann während der Arbeiten dabei sein oder anderswo warten.

Sie bekommen eine rasche Antwort. Für Schäden ist der Reinigungspartner versichert. Mehr zum Ablauf lesen Sie auf der Seite zum Reinigen einer Messie-Wohnung. Weitere Hinweise für Betroffene und Angehörige finden Sie in den Reinigungstipps bei Messie-Syndrom.

Fazit: Erst der Mensch, dann die Wohnung

Eine Messie-Wohnung wird in klaren Schritten geräumt, gereinigt und desinfiziert. Schutz, Geduld und der richtige Zeitpunkt sind dabei so wichtig wie Kübel und Tuch.

Markus hat mit seiner Tante zuerst die Fotos und Briefe herausgesucht. Drei Wochen später riecht es im Grazer Stiegenhaus wieder nach nichts, und sie kann wieder Besuch empfangen.

Dark green decorative wave